Gesamtbewertung

86.33%

Verarbeitung
90%
Bedienung & Funktion
90%
Preis-Leistung
79%

Rollei Compact Traveler No. 1

Das Stativ Compact Traveler No. 1 von Rollei wird auf vielen Internetseiten sehr prominent als Reisestativ empfohlen. So prominent, dass man zu zweifeln anfängt, ob das alles richtig und wahr sein kann. Unser Vergleichstest soll zeigen, was an dem Lob für das Stativ dran ist.

Verarbeitung

Der Name Rollei suggeriert allein schon Glanz und Gloria. Wir wollen uns vom perfekten Marketingauftritt nicht täuschen lassen, kommen allerdings nicht umhin, hier zu schreiben, dass das Aluminium-Reisestativ von Rollei sehr edel aussieht. Und nicht nur das. Die Materialien sind sehr hochwertig verarbeitet und die Übergänge zwischen unterschiedlichen Werkstoffen makellos gratfrei. Die Segmente werden mit Feststellmuffen bzw. Ring-Locks aus Gummi arretiert und sind besonders griffig und leichtgängig. Über den Manschetten ist jeweils ein roter Ring als optisches Highlight, das dem Stativ Pfiff verleiht. Einziger Nachteil könnte die Reinigung der Rillen im Gummi sein, wenn sie verschmutzt sind. Zumindest ziehen sie etwas mehr Staub an als die Kunststoff-Klemmen von Manfrotto oder Cullmann.

Die Winkelklemmen bzw. Verriegelungsclips an der Stativschulter sind aus Aluminium und ebenso tadellos angefertigt. Alle Schrauben lassen sich mit den mitgelieferten Inbusschlüsseln gut anziehen und erscheinen bruchfest. Die Gummifüße sind weich und haften sehr gut am Boden. Der Aluminium-Kugelkopf ist vorteilhaft groß – der größte innerhalb der Testlupen-Reihe. Die Mittelsäule wird über einen ringförmigen Aluminium-Schraubverschluss mit drei breiten und handgerechten Flügeln gehalten.

Tatsächlich kann man sich in das Rollei Traveler No. 1 prompt vergucken. Doch das ist nur eine Seite der Medaille. Bekanntlich ist Schönheit und in diesem Fall Materialqualität nicht alles. Kommen wir nun dazu, wie sich die Materie in der Praxis verhält und handhaben lässt.

Stabilität

Die Gummischuhe des Rollei Traveler No.1 wurden erwähnenswert hoch über das Rohr gestülpt, was uns gefällt. Zumal dadurch bei weit ausgestellten Beinen unermüdliche Standhaftigkeit gewährleistet wird. Die maximale Tragfähigkeit wurde vom Hersteller mit 5 Kilogramm angegeben, damit wäre das Rollei Traveler eigentlich das stärkste Stativ im Test, gefolgt vom Sirui T-005KX mit 4 kg. Das hat uns verwundert und deswegen hier noch einmal konkreter geprüft. Insbesondere unsere Recherche bei anderen Nutzern hat ergeben, dass Rollei hier ein wenig schummelt. Tester berichten, dass die maximale Belastbarkeit so circa bei 3 Kilogramm liegt. Vor diesem Hintergrund würde das Traveler No. 1 nur 60 % der Herstellerangabe erzielen. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.

Ferner ist der Rohrdurchmesser der untersten Auszüge mit 10 mm im Vergleich zu den Stativen von Manfrotto oder Cullmann mit 12 mm deutlich geringer. Wir empfehlen deshalb die letzten Auszüge am besten nicht zu verwenden oder nur bei Windstille. Die Beine biegen sich zwar nicht, geben dennoch nach. Deshalb muss man das Rollei-Stativ bei Wind eventuell zusätzlich beschweren, um die Stabilität des Konkurrenten Manfrotto Befree One zu gewinnen.

Ein Nachschwingen des Rollei-Stativs beim Drücken des Auslösers ist vorhanden, jedoch sehr kurz. Bei Langzeitbelichtungen ist ein Selbstauslöser für Reisestative aber gang und gäbe – auch beim Manfrotto. Daran führt kein Weg vorbei.

Handhabung

Die präzisen Schriftzüge am Rollei Traveler No. 1 lassen keinen Zweifel am korrekten Umgang mit dem Reisestativ. Da haben sich die anderen Hersteller nicht so viel Mühe mit ihren Hinweisen gegeben. Die Beschriftungen auf dem Traveler- Dreibeiner sind per Sticker aufgeklebt – nach ein, zwei Aktionen im Sand gehen die Aufkleber vermutlich ab. Was wiederum nicht folgenreich ist, weil man das Reisestativ dann hoffentlich wie im Schlaf bedienen kann.

Mit einem Gewicht von 1,27 Kilogramm inklusive Kopf, Wechselplatte sowie Beutel oder 1,3 Kilogramm mit den Ersatzteilen wie Inbusschlüssel und zweiter Schnellwechselplatte schließt sich Rollei dem Manfrotto auf dem zweiten Platz in Sachen Schwere an. Die Beine des Traveler-Stativs sind um 180 Grad umklappbar, was das Packmaß auf praktische 33 cm reduziert (mit Tragebeutel nachgemessen).

Mit eingeklappten Beinen können alle vier gummierten Ring-Locks am Bein mit einer Hand gelöst werden. Die einzelnen Sektionen schweben anschließend durch sanftes Ziehen nach unten. Man muss nicht daran zuppeln, höchstens leicht ziehen. Trotz fünf Rohren an der Zahl, lässt sich das Rollei-Reisestativ dank der handlichen Gummimuffen sehr schnell aus der minimalen Höhe von 32 cm auf die maximale Arbeitshöhe von 134 cm ausfächern – für die Schnelligkeit gibt es Punkte auf das Pluskonto.

Höhenverstellung – Der Dreibeiner von Rollei erklimmt ganze 1,36 Meter mit ausgefahrener Säule. Das ist gleich hinter dem Sirui T-005KX mit 1,38 Meter das zweithöchste Stativ. 1,23 Meter kommt der Rollei Traveler ohne Säule und 32 Zentimeter hoch in Minimalstellung. Die Beine sind in fünf Segmente eingeteilt und mit vier Gummiringen stufenlos in der Höhe beweglich. Nachteil: Bei so vielen Ring-Locks vergisst man fast immer einen festzudrehen oder man dreht einen der zwölf Winkelringe nicht fest genug. Am Anfang macht der Umgang mit den qualitativ gut verarbeiteten Gummiringen noch Freude, so dass man über seinen Fehler nur schmunzelt. Aber wenn zum x-ten Mal ein Bein einsackt, weil man irgendwo eine Arretierung vergessen hat richtig zuzudrehen, nervt es nur noch. Vor allem weil man den gelockerten Schlingel erst suchen muss. Im schlimmsten Fall heißt das: 12 Ring-Locks überprüfen. Einige Kunden schreiben sogar, dass das Stativ Schieflage hat und nicht 100-prozentig gerade aufzustellen ist. Das können wir nicht bestätigen. Wenn man erst den gelockerten Übeltäter gefunden hat, dann steht das Stativ auch perfekt gerade.

Der Beinwinkel-Lockmechanismus ist fest. In drei Positionen rasten die Beine wie beim Sirui T-005KX und Cullmann Nanomax 430 beim Herunterklappen automatisch ein (spitzer, mittlerer, flacher und der 180-Grad-Winkel zum Zusammenfalten). Kleine Herausforderung: Um die Beine anzuwinkeln, sollen laut Anleitung die Arretierungsclips, die eigentlich so eine Art Kippschalter mit Sprungfeder darstellen, gedrückt werden. Und zwar muss man auf die untere Kante des Schalters drücken. Das war anfänglich aber nicht intuitiv bedienbar.

Lässt man die Beine bei 180 Grad nach oben geklappt und dreht damit das Stativ auf den Kopf, bietet es weiterhin eine vernünftige Stabilität für bodennahe Aufnahmen, obwohl die Beine in dieser Position nicht einrasten. Sicherer ist selbstverständlich, die Säule umzudrehen (umkehrbare Mittelsäule). Dazu mehr im Abschnitt zum Funktionsumfang.

Ein Auszug der Mittelsäule ist flexibel möglich. Die Mittelsäule sollte jedoch nicht vollständig ausgefahren werden, weil die Traveler-Knipshilfe sonst an Stabilität einbüßt, was nebenbei bemerkt bei allen Reisestativen so ist. Der austauschbare Panorama-Kugelkopf FPH-53P von Fotopro ist aus Aluminium gefertigt und mit einer 1/4-Zoll-Kugelkopfschraube ausgestattet. Er ist schön groß und kann mit einem guten Maß an Reibung (Friktion) während der Neigung und Drehung aufwarten. Die Bedienung wirkt sehr elegant. So lässt sich der Kopf sanft positionieren, ohne dass dieser hektisch Richtung Boden fällt, sobald man den gummierten Feststellknauf lockert (wie beim Manfrotto).

Schade auch, dass sowohl Kugel als auch Panoramafunktion über dieselbe Verriegelung gesteuert werden. Beide Achsen werden gleichzeitig gelöst. Das heißt, man kann nach Einstellung des Kugelkopfes keine exakte Panoramaänderungvornehmen. Wenn man auf die 360-Grad-Strichskala verzichtet, kann man die horizontale Drehung mittels der Mittelsäule getrennt justieren. Der Panoramaschwenk ist auf diese Weise nicht effektiv nutzbar.

Die Grundfläche der Schnellkupplungsplatte ist im Vergleich zu den Konkurrenten mittelmäßig groß und quadratisch sowie mit mehreren Gummipolsterungen versehen. Sie misst 4,2 x 4 x 8 cm, nur Sirui (3,9x 2,9 cm) und Cullmann (4,1 cm) haben eine noch kleinere. Cullmanns Adapterplatte ist aber rund und somit schwer zu vergleichen. Die Platte von Rollei wird anders als bei den Konkurrenten mit einer Schraube festgezogen, nicht eingeklickt. Das ist für uns ok und kein Kritikpunkt. Die Wechselplatte hält gut und ist zudem auswurfgesichert.

Belastungsabweichung – Das Nachsacken der Kamera nach der Justierung gibt je nach Schwere der Kamera 1-3 mm nach.

Funktionsumfang/Ausstattung

Der Lieferumfang vom Rollei Traveler No. 1 braucht sich nicht zu verstecken. Anbei liegt ein Karabiner, sogar zwei Schnellwechselplatten für zwei Kameras, eine Stativtasche, die etwas dünn geraten ist und wie ein Turnbeutel an zwei Seilen um die Schulter gehängt wird sowie drei Dosenlibellen, um die Kamera waagerecht ausrichten zu können. Manche empfinden das Sichtfenster der Dosenlibellen zum Ablesen zu klein, aber schließlich muss alles leicht und kompakt sein. Wir hatten da keinerlei Schwierigkeiten.

Einige Kunden trafen auf Komplikationen beim Kameraausrichten im Hochformat. Dazu wird der Kugelkopf nach unten gekippt, so dass die Schnellwechselplatte mit der Wasserwaage im Drehknopf nach oben zeigt. Dann wird der Kugelkopf unter Verwendung der runden Dosenlibelle ausgerichtet, wobei die Luftblase in der Mitte sein muss. Die Kamera kann trotz dessen, dass sich die Luftblase punktgenau im Kreis befindet, nicht korrekt ausgerichtet werden.

Diese Problematik konnten wir nachvollziehen. Die Nivellierlibelle am Drehknopf ist leider zu ungenau, vielleicht weil sie zu klein ist. Unsere Empfehlung ist ein L-Winkel für die eigene Kamera zu verwenden. Damit kann man sogar besser zwischen beiden Formaten (hoch und quer) wechseln. Vielleicht spendiert Rollei seinem Traveler noch irgendwann eine vom Kugelkopf separate Panorame-Einstellung und ein paar Spikes zum Herausdrehen.

Der mitgelieferte, um 360° drehbare, gut belastbare Mittelsäulenhaken aus Metall ermöglicht die Befestigung von höherem Gewicht. Wenn man die Platte mit dem Haken unten am Stativ herausschraubt, kann man die Mittelsäule nach oben rausziehen und umgekehrt von unten wieder reinsetzen. Fertig ist die umkehrbare Säule – eine schöne Sonderfunktion, mit der Rollei die Alleinstellung im Test innehat. Des Weiteren finden sich im Paket zwei Inbusschlüssel, mit denen man die Schrauben am Stativ nachziehen kann und zwei rutschfeste Schaumstoffgriffe, um das Tripod auch bei Kälte ohne festgefrorene Finger zu transportieren. Die Schnellwechselplatte ist kompatibel zum Arca-Swiss-System, ein Schnellwechselsystem für Kameras.

Fazit

Visuell erhält man mit dem Rollei Traveler No. 1 aus Alu einen schicken Reisepartner, der in allerlei Farben erhältlich ist, um die Optik noch mehr aufzupeppen. Mit einem Packmaß von 32 cm und einem Reisegewicht von 1,27 kg inklusive Wechselplatte sowie Beutel ist das Traveler-Alustativ noch gut transportfähig. Obwohl die Gummierung der Ring-LocksStaub und Schmutz anzieht, lässt sie keinen Schmutz darunter kommen und ist sehr gut zu reinigen. Dass bei so viel Umdrehungen auch mal ein Ring nicht festsitzt, weil man nachlässig war, das ist halt so und zwingt einen zu mehr Disziplin. Nervig ist es trotzdem ein wenig. Wenigstens brillieren alle anderen Feststellknöpfe durch eine angenehme und hervorragende Haptik.

Die Mittelsäule kann in der Stativschulter versenkt oder umgekehrt werden. Damit profitiert man vielen unterschiedlichen Aufbaupositionen. Der Stativkopf ist zwar beeindruckend gut konstruiert, der Kugelkopf kann aber nicht separat zur Panoramafunktion fixiert werden. Zudem schwingt das Stativ bei vollausgefahrener Säule deutlich nach. Zum Glück lässt sich das durch Einfahren der Mittelsäule schnell und gut handhaben. All diese Funktionen erhält der Reisende zu einem moderaten Preis.


Technische Daten

Größe39 x 9 x 7 cm
Gewicht980 g
MaterialAluminium/Carbon
min. Höhe34 cm
max. Höhe142 cm
Gewicht980 g